25-jähriges Abi-Jubiläum oder Zurück in die Vergangenheit

2015 ist das Jahr unseres 25-jährigen Abitur-Jubiläums. Soweit so gut. Bereits im Frühjahr häuften sich die Gedanken dazu: „Machen wir eine Feier?“, „Nö, viel zu viel Arbeit. Aber schön wär’s doch…“, „Ich will unbedingt meine Abi-Klausuren einsehen!“, „Was ist bloß aus den alten Kumpels geworden?“, „Eine Reise nach Essen wär’s wert!“, „Würde ich nie teilnehmen, will ich nix mit zu tun haben!“, „Ich bin viel zu alt / krank / dick / frustriert / enttäuscht…“

Zwischen diesen Welten erlebte wohl jeder die Wochen und Monate davor. Schnell noch mal zum Friseur oder ein paar Kilo abnehmen? Die Handy-Fotos der Familie neu sortieren? Nun, ich selbst reiste aus Schwanewede bei Bremen an und hatte während der Autofahrt zwischen alten Depeche-Mode- und Bon-Jovi-Songs genügend Zeit, mir so meine Gedanken zu machen. Job und Beziehung hatten mich in den letzten 25 Jahren in den Norden katapultiert und ich hatte seitdem nicht mehr viel zu tun mit alten Schulkollegen und den Freundinnen von damals. Die Essener Szene sagte mir nicht mehr viel und ich war erstaunt, als der ein oder andere Mitschüler von damals nun die eigenen Kinder auf der Wolfskuhle angemeldet hatte. So ändern sich also die Zeiten!

Am 7. November fand nun das Wiedersehen statt. Und das mit Kaffee und Kuchen, Begrüßungssekt, Bramsiepes Abiturrede aus dem Jahr 1990 und vielen Fotos. Dazu gab es eine Landkarte, auf der jeder sein Fähnchen einstecken konnte. Zwischen Flensburg und Bad Tölz, zwischen Potsdam und Willich waren unsere Jahrgangsstufen-Kollegen gelandet. Jaja, die Kolleginnen natürlich auch (der Einfachheit halber möge frau mir die Schreibweise verzeihen). Die Schule hatte nach 25 Jahren doch einiges zu bieten: Eine hoch-engagierte Oberstufenleiterin Stefanie Grabert, die in ihrer Freizeit die gesamte Veranstaltung begleitete; unsere ehemaligen Lehrer Herrn Becker, Herrn Boing, Herrn Honnacker und Herrn Seybert, die ihren Samstag ebenfalls opferten, um ihre alten Pappnasen (sprich: ihre ehemaligen Schüler) wiederzusehen; einen Rundgang durch die Klassenräume und einen Einblick in die Klausuren und Bewertungsgutachten von damals. Da kamen bei jedem Emotionen und Erinnerungen auf.

Wie war das Treffen denn nun? Es gab ein riesiges, gut gelauntes „Hallo“, Umarmungen, Küsse und jede Menge guter Gespräche. Schnell war man über die Eingangssätze „Was machst du? Wo wohnst du? Familienstand?“ hinaus und vertieft in anregende Gespräche über damals und heute. Viele „Weißt-du-nochs“ zauberten ein Lächeln in die Gesichter und es entstanden Gespräche, die früher nie möglich gewesen wären. Denn die alten Schulregeln („Der ist doof, mit dem rede ich nicht!“, „Falsche Clique, passe ich nicht rein!“, „Die ist uncool!“) gelten nicht mehr. Ja, wir haben uns weiterentwickelt, sind erfahrener, toleranter und weltoffener geworden. Wir haben uns ein neues Leben erarbeitet und mit diesem „neuen Ich“ ist es den meisten sehr leicht gefallen, in die alte Welt einzutauchen, sich zu erinnern und zu relativieren. Wer bin ich heute? Wo stehe ich? Diese Reflexionen hat wohl jeder mit nach Hause genommen. Als ich endlich um halb vier morgens im Bett lag, war ich hellwach und es sausten mir viele Geschichten im Kopf herum. Am nächsten Tag war ich heiser und das lag wohl nicht nur an der lauten Musik beim „Absacker“ in der Freak Show…

Gerne wieder – das war der Tenor bei den Teilnehmern. Gerne wieder, aber nicht erst in 25 Jahren…   (Sandra Westphal)


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Abi 1990 - 25 Jahre
Abi 1990 - 25 Jahre
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