Von Gummistiefeln und Labortagen

Berichte aus dem Bio-LK

Es gibt Kurse und Themen, die eignen sich besonders gut für Exkursionen. Die Biologiekurse sind immer viel unterwegs, besonders wenn man dann auch noch im Leistungskurs ist. Da fallen schon mal Kommentare von anderen Lehrern wie „Ihr seid mehr weg als in der Schule!“ aber genau das macht das Fach doch so spannend.

Schon im ersten Halbjahr gab es immer themenbezogene Exkursionen. Ein sehr beliebtes Ziel sind dafür die Universitäten, in unserem Fall das Alfried-Krupp-Schülerlabor der Ruhr-Universität in Bochum. Dort untersuchten wir unsere mitochondriale DNA, passend zum Halbjahresthema „Genetik“, um heraus zu finden, woher wir stammen. So wandelten wir auf den Spuren unserer Vorfahren mit modernsten Untersuchungsmethoden.

Viele von uns standen das erste Mal in einem „richtigen Labor“ mit Kittel, Handschuhen und Schutzbrillen. All die Vorgänge, die man im Unterricht besprochen hatte, machten wir jetzt selber. So wird Theorie und Praxis vereint! Das war schon ein sehr tolles Gefühl, all das zu kennen, wir fühlten uns wie richtige Biologen. Doch schnell stellten wir fest, dass wir für das ganztägige Stehen im Labor nicht so geeignet sind, ein Besuch in der Mensa oder in einer der unzähligen Cafeteria kam uns da gelegener.

Nicht immer passt das Thema 100%-ig zum Unterricht aber dafür immer in das alltägliche Schülerleben. Ein weiterer Besuch der RUB ließ uns in die – für uns Schüler leider viel zu – bekannte Welt des Stresses abtauchen. Verschiedene Stresstests zehrten schon an unseren Nerven, trieben unseren Puls in die Höhe und brachten uns Konzentrationsschwächen ein. Doch so eine Exkursion soll keine Quälerei sein, auch wenn die Selbsttests notwendig waren, um die biologisch-chemischen  Abläufe in unserem Körper und unsere persönlichen Reaktionen darauf kennen zu lernen und besser zu verstehen. Die meisten Symptome waren uns aus der letzten Klausurenphase bekannt, doch die Hintergründe meistens nicht.

So wurde der Mythos geklärt, dass die Schule an sich keinen Stress verursacht, denn machen wir uns nämlich selbst. Stress ist Kopfsache! Also gab es direkt Übungen und Tipps, um gegen Stress vorzubeugen oder bereits vorhandenen abzubauen. Diese fanden vor der LK-Klausur auch bereits Anwendung.

Das zweite Halbjahr war mit dem Thema „Ökologie“ genauso exkursionsreich, wenn nicht so gar noch etwas reicher. Ganz kleine Exkursionen führten nur auf den Schulhof oder in die Umgebung, um Flechten zu sammeln aber so eine Stunde an der frischen Luft lockert das, manchmal trockene, Thema doch sehr schön auf.

Wirklich unterhaltsam wurde es in Mülheim im Haus „Ruhrnatur“. Bewaffnet mit Keschern, Fangeimern, Sieben und Gummistiefel jagten wir in der Ruhr nach kleinen Flohkrebsen, Muscheln und Schnecken. Es war durchaus nicht so ungewöhnlich, dass manche Gummistiefeln Löcher hatten oder man auf einmal tiefer im Wasser war als man wollte. Man merke sich: für Exkursionen in Wassernähe sind Ersatzsocken und Handtücher von Vorteil! Oder man passt halt besser auf, auf dichte Gummistiefel und rutschige Uferböschungen.

Das selbst gefangene Jagdgut wurde mikroskopiert und bestimmt, in der Hoffnung dass alle Tiere danach auch noch lebten. Schließlich wurden sie wieder ausgesetzt um den Artenreichtum in unserem Fluss zu erhalten und nicht zu dezimieren. Und da die Gummistiefel bereits einmal im Einsatz waren, führte die nächste Stunde direkt zum nahe gelegenen „Ententeich“. Diese sind übrigens eine lohnenden Investition! Chemische Tests und die Bestimmung der Artenvielfalt fanden hier ihren praktischen Bezug von Lebensräumen, an denen wir täglich vorbeigehen. Durch die Auswertung sah man den direkten Einfluss des Menschen auf seine Umwelt – auch wenn man vor dieser Wahrheit manchmal lieber die Augen schließen möchte, der Bio-LK soll auch die Augen öffnen und sich der Umwelt bewusst machen. Etwas, das bei mir auf jeden Fall gelungen ist.

Ich freue mich darauf, auch nächstes Jahr mir der Welt um mich herum bewusst zu werden und etwas „biologischer“ zu werden. Der Bio-LK bietet dazu jede Menge Möglichkeiten und Abwechslung, auch außerhalb der Klassenräume.

(Pia Marter, Biologie-Leistungskurs Q1 bei Fr. Mischor)