LernFerien NRW "Protest und Widerstand"

Wie weit kann, darf und muss Protest und Widerstand gehen? In diesen Herbstferien hatte ich vom 9. bis zum 10. Oktober die Möglichkeit, zusammen mit 18 anderen SchülerInnen aus ganz NRW an einem Feriencamp im Haus Neuland teilzunehmen, welches sich mit genau dieser Frage beschäftigte.

Da ich im Vorhinein keinen der anderen TeilnehmerInnen kannte und auch noch nie bei so einem Camp war, wusste ich nicht so recht, was mich erwartete, doch meine Sorgen wurden mir genommen, als ich die anderen dann schließlich traf. Wir alle waren sehr gespannt auf die kommende Woche und haben sofort angefangen, uns zu unterhalten.

Die Teamer, darunter Dorian Klinner und Lennart Baumann, waren auch sehr sympathisch und den ersten Tag verbrachten wir größtenteils damit, einander, das Haus und das Thema des Seminars auf spielerische Weise kennenzulernen, zum Beispiel indem wir im Teamwork Portraits voneinander zeichneten und beim „Profiling“ versuchten, Dinge über die Teamer zu erraten. Außerdem traten wir bei einem Spiel in Teams gegeneinander an, bei dem wir versteckte Zettel im Haus suchen mussten und entsprechende Aufgaben zum Thema erledigten, die sehr vielseitig und spannend waren.

Am zweiten Tag setzten wir uns für etwas Kontext mit wichtigen Protestbewegungen der deutschen Vergangenheit auseinander. Obwohl wir natürlich nur einige Beispiele nennen konnten, lernte ich einiges neues und durch eine abwechslungsreiche Gestaltung der Aufgabe und Zusammenarbeit mit anderen TeilnehmerInnen hat es auch Spaß gemacht und mich in den richtigen Spirit für den Rest der Woche versetzt.

Zusätzlich beschäftigten wir uns an diesem Tag mit unterschiedlichen Arten und Aktionsformen von Protest und damit, welche Rolle Social Media hierbei spielt.

Der dritte Tag war besonders spannend, aber auch anstrengend, da wir von zwei Zeitzeuginnen besucht wurden. Die erste Besucherin war Josephine Keßling, welche in der DDR als Oppositionelle gebrandmarkt und vom Staat schikaniert wurde, bis sie 1983 endlich ausreisen konnte. Sie hat uns von ihrem Leben erzählt und ist sehr auf unsere Fragen eingegangen. Das Gespräch mit ihr hat mir definitiv geholfen, die Protestbewegungen in der DDR besser zu verstehen und ihr Durchhaltevermögen und Charakterstärke sowie ihr respektvoller und offener Umgang mit uns hat mich beeindruckt. Wenn ihr euch für das Leben und den Widerstand in der DDR interessiert, empfehle ich euch auf jeden Fall, auf ihrer Website vorbeizuschauen.

Außerdem besuchte uns Mina Ahadi, eine iran-stämmige Menschenrechtlerin, die unter anderem 2001 das Internationale Komitee gegen Steinigung und 2004 das Komitee gegen Todesstrafe gründete. Sie erzählte uns ebenfalls etwas von ihrem Leben und viel von der politischen Lage im Iran. Auch ihre Geschichte bewegte uns sehr und ihre Arbeit sowie ihr unbändiger Wille inspirierte uns. Ich würde euch an dieser Stelle wieder empfehlen, ihren Namen mal in eine Suchmaschine einzugeben, wenn euch das Thema interessiert. Uns werden diese beiden Frauen jedenfalls noch lange in Erinnerung bleiben.

Am Donnerstagvormittag lag unser Fokus auf dem Thema Demokratie. So sammelten wir, was eine (lebhafte) Demokratie ausmacht, wo ihre Schwächen liegen und was sie sogar gefährden könnte. Außerdem beschäftigten wir uns mit den Ergebnissen einer Umfrage, welche bestimmen soll, wie rechts die deutsche Bevölkerung ist. Hierfür wurden uns einige Aussagen als Beispiele präsentiert und wir sollten raten, wie viel Prozent der Befragten ihnen entweder zustimmten oder sich enthielten. Die wahren Ergebnisse waren teils positiv, aber leider wirklich auch negativ überraschend.

Losgelöst davon fand am Nachmittag ein weiteres Highlight des Seminars statt, auf das wir uns auch vormittags vorbereitet hatten, nämlich eine Podiumsdiskussion mit Vertretern verschiedener Parteien (die Grünen und die Linke), der Letzten Generation und von Verdi. Unter dem Oberthema „(Wo) hat Protest Grenzen?“ konnten wir verschiedene Fragen stellen und es entwickelten sich einige interessante und einige weniger interessante Wortwechsel zwischen den Vertretern.  Leider hatten wir in den eineinhalb Stunden nicht genug Zeit für all unsere Fragen, aber auch so war die Diskussion sehr spannend mitanzusehen und führte zu weiteren anregenden Gesprächen unter uns.

Das waren also die Hauptthemen und -ereignisse des Seminars, durch die allein es schon super cool war und durch die allein ich schon sehr froh bin, dass ich daran teilnehmen durfte, aber verstärkt wurde dieser Eindruck noch durch eine vielseitige Gestaltung des Seminars. Damit meine ich, dass es aufgrund von aktiven Warm-up Spielen, Gruppenarbeiten, Kreativaufgaben wie zum Beispiel Rollenspiele und abwechslungsreichen Einstiege in die einzelnen Themenbereiche nie langweilig wurde.

Ein Aspekt davon war das Wochenprojekt, welches wir am Freitag fertig stellten und präsentierten, bevor es dann nach Hause ging. Für dieses Projekt gab es quasi keine Vorgaben, was es natürlich gar nicht so leicht machte, eine Idee zu entwickeln, doch am Ende hatte jede Gruppe ein individuelles, bereicherndes Ergebnis, von kreativ und humorvoll gestalteten Erklärvideos über Fotocollagen bis hin zu einer kurzen Theateraufführung.

Außerdem gaben sich unsere BetreuerInnen für den Abendbereich ebenfalls viel Mühe, um die Woche interessant für uns zu machen. So spielten wir nicht nur Werwolf, sondern gingen auch auf eine Nachtwanderung, hatten einen Karaokeabend und spielten eine Art Krimispiel, welches mehrere Tage lang lief.

Abgesehen davon entwickelte sich eine tolle Gruppendynamik zwischen uns und ob bei den Spielen, auf den Zimmern, beim gemeinsamen Essen oder einfach zwischendrin, es ergaben sich einige interessante Gespräche, Situationen und spontane Freundschaften, so dass es am Ende der Woche gar nicht so leicht war, von allen Abschied zu nehmen.

Für mich waren die Lernferien insgesamt eine tolle Erfahrung, die mir bis heute viel Stoff zum Nachdenken gegeben hat.

(Carolina Bode, Q1)

Lernferien zum Thema Protest und Widerstand
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